Wind am Achensee

Der Wind am Achensee ist sehr stark von der Topographie abhängig (3 Hauptwindrichtungssektoren), dabei spielen thermisch induzierte Winde eine wichtige Rolle. Hauptwindrichtung ist aus Nord und Süd (SO).

Abb. 1: Hauptwindwindrichtungen am Achensee (rote Zone = Abschattung bei N)

Thermik: Die Abbildung unten zeigt eine Klimatologie der Wahrscheinlichkeit (0.3 heisst hier z.B. 30%) für Winde > 5m/s in der Nähe von Pertisau. Thermisch induzierte Winde kommen immer aus Nord, dabei ist zu beachten, dass es einen kleinen Düseneffekt (siehe AROME Abbildung) auf der Höhe der Uferstrasse nördlich von Pertisau gibt. Dh. dort hat man oft eine etwas höhere Windgeschwindigkeit. Im Vergleich zum Reschensee (wo der thermisch induzierte Wind aus Süd gegen Mittag einsetzt) beginnt die Thermik am Achensee relativ spät (14 UTC = 16h Lokalzeit). Im Juni/Juli wird das Maximum oft erst um 16-17h erreicht.

Abb. 2: Windklimatologie Pertisau (aus Kneringer, 2014: Statistische Kurzwindvorhersagen für den Achensee, MsC Arbeit, ACINN). Wahrscheinlichkeit mit > 5m/s Wind.

Weitere Informationen zu Windstatistiken finden sich u.a. auch (hier).

Das AROME Modell zeigt den Düseneffekt qualitativ oft gut an. Wenn es Thermiktage gibt und das AROME Modell konsistent N vorhersagt sind gute Bedingungen sehr wahrscheinlich. Da können eigentlich nur mehr Gewitter den Spass verderben.

Abb. 3: AROME FX Vorhersage: Düseneffekt nördlich von Pertisau an der Uferstrasse erkennbar.

Frontendurchgang: Ein weiteres wichtiges Windphänomen sind Starkwind-Wetterlagen (meist ein Kaltluftfronteinbruch aus W-NW). Dabei kann in den Stunden vor dem Kaltluftdurchgang zunehmender Wind aus N beobachtet werden. Meist sorgt der Druckgradient im Vorfeld einer Front schon für gute Bedingungen. Bei Frontdurchgang ist Vorsicht geboten! Hier kann es unter Umständen orkanartige Winde geben und es empfiehlt sich den Druckgradient und Zeitpunkt des Frontdurchganges im Auge zu behalten. Ein Beispiel für so ein Extremereignis war der 23.5.2020. Ein Frontenausläufer von Tief Gudrun mit Böen bis zu über 100 km/h führte zu einem Grosseinsatz der Wasserrettung.

Abb. 4: Kaltluftdurchgang: Europakarte am 23.5.2020– Österreich liegt in etwa an der Kaltluftmassengrenze Mitte des Bildes
Abb. 5: Tiroler Tageszeitung 23.5.2020: Anwesend waren neben den Wasserrettungen Maurach und Fieberbrunn ebenso die Wasserrettung Innsbruck, mehre Suchhubschrauber, die Feuerwehren Achenkirch und Eben am Achensee, zwei Notärzte und mehrere Rettungswagen sowie die Polizei. Insgesamt waren ca. 100 Einsatzkräfte vor Ort.

Südwind: Föhnwinde sind meist sehr böig. Der Druckgradient muss sehr gross sein, sodass am Achensee noch Föhn (über das Zillertal) durchbrechen kann (das ist relativ selten). Im Unterschied zum Reschensee reicht hier ein Druckgradient von +4hPa nicht aus. Föhn ist vom regulären Talauswind mit Südkomponenten zu unterscheiden. Es kann auch besondere Wetterlagen mit synoptischer NE Komponente (z.B. 31.6.2020) geben, die zusätzlich den Taleinwind im Inntal so verstärken, dass eine persistente SO Komponente am Achensee herrscht und der thermisch induzierte N Wind am Achensee sehr spät oder gar nicht einsetzt.

Druckgradienten: Entscheidend für gute Bedingungen am Achensee ist eine Anströmung aus Nord (synoptisch oder thermisch induziert). Eine stark fallende Tendenz der Druckdifferenz zwischen Bozen und Innsbruck (IBK) kann ein Indiz für gute synoptische Windbedingungen (z.b. im Vorfeld eines Frontdurchganges) aus Norden sein. Dazu kann auch das Föhndiagramm herangezogen werden. Als Beispiel dient der 7.6.2020 mit bis zu 25 kn Wind in Pertisau. Wichtiger Unterschied zum Reschensee ist, dass ein leichter Druckgradient (Druckdifferenz Bozen-IBK) aus Süden hier am Achensee keine grosse Bedeutung hat.

Abb. 6: Druckgradienten

Fazit: Beste Bedingungen herrschen bei Windbedingungen aus N. Diese lassen sich relativ gut über die Kurzfristprognose des Arome Modells, der Thermikprognose und dem Druckgradienten abschätzen.

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